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„Wir werden uns auch auf dem Wasser der Elektromobilität nicht entziehen können“: 5 Fragen an STG-Geschäftsführer Thomas Krüger

Interview
  • Erstellt: 01.03.2022 / 08:01 Uhr von Antje Preuschoff
Die Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft (STG) hatte für 2019 eine [Studie “Wirtschaftsfaktor Tourismus in Brandenburg an der Havel”] in Auftrag gegeben, nachdem die letzten belastbaren Zahlen aus 2007 stammten. Im Gespräch erzählt Geschäftsführer Thomas Krüger, was die Daten bringen, was die STG dieses Jahr so vor hat und wieso eine Zukunftsvision für den Wassertourismus her muss.
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Meetingpoint: Herr Krüger, inwiefern sind die Ergebnisse der Tourismusstudie für Ihre Arbeit wichtig?
Thomas Krüger: Aus den Zahlen ist für uns herausgekommen, wer konkret vom Tourismus profitiert und damit, wo wir den Hebel in der Vermarktung ansetzen können. Wenn wir also feststellen, der Einzelhandel in der Stadt profitiert erheblich vom Tagestourismus, dann überlegen wir uns, ob wir Budget in Einzelhandelsaktionen stecken oder verstärkt Tourimuswerbung machen. Letzteres ist für uns zielführender, da wir dann mehr Touristen in der Stadt haben, die ihr Geld im Einzelhandel ausgeben, aber auch insgesamt mehr Frequenz und Leben in die Stadt bringen.
Die Daten sind auch für Menschen, die sich touristisch hier ansiedeln wollen, also zum Beispiel sechs Ferienwohnungen auf einem Hinterhof planen, interessant. Sie können aus den Zahlen auf eine bestimmte Frequenz und einem bestimmten Umsatz schließen und daraus ableiten, ob es sich für sie rechnet. Sie sind damit zudem zahlensicherer gegenüber ihrer Bank, wenn es um die Finanzierung geht.
Die STG arbeitet mit einem neuen Buchungssystem für die Beherbungsstätten. Warum ist das nötig geworden?
Thomas Krüger: Der Trend geht einfach dahin, sich weltweit über die großen Suchmaschinen sichtbar zu machen. Dazu arbeiten wir nun mit dem System DS Booking Solution, wie auch das Havelland. Wir pflegen hier die Stammdaten unserer Anbieter einmal ein und diese werden, wenn gewollt, automatisch auf den Tourismus-Portalen der Welt ausgespielt.
Große Aufgabe ist es nun, die Anbieter davon zu überzeugen, dass sie so sichtbarer werden. Auf Grund der aktuell guten Buchungslage hören wir von einigen, dass sie ausgebucht sind und sich fragen, warum sie ein solches Portal überhaupt brauchen. Aber es kommen auch wieder schlechtere Zeiten. Der Fernreisetrend hat zugenommen, die außereuropäischen Reisen werden nach Corona zunehmen, und der Wettbewerb der deutschen Destinationen ist in vollem Gange und wird noch schärfer werden. Da heißt es auch in Brandenburg an der Havel Unternehmen sichtbar zu machen, und es attraktiv zu gestalten, hier Urlaub zu machen.
Wir gehen übrigens auch wieder ins Auslandsmarketing, wollen in Kooperation mit dem Landesmarketing den polnischen Markt verstärkt bearbeiten. Der hat sich in den vergangenen Jahren als starker Wachstumsmarkt in Berlin erwiesen.
In 2022 soll mit der Netten Toilette ein altes Projekt wieder aufleben. Wie kam es dazu?
Thomas Krüger: Es ist ein Projekt, das es 2005/2006 schon gab, jetzt rief mich Professor Thomas Enzmann von der Technischen Hochschule deswegen an. Die entwickeln dort mit Studenten eine App, über die unter anderem unproblematisch erkennbar ist, wo es die nächste Nette Toilette gibt.
Dazu braucht es jedoch Locations, die mitmachen, und wir versuchen aktuell, Gastronomen dafür zu gewinnen. Wir schauen dazu, über welche Förderkonzepte Unterhaltungs- und Reinigungskosten abgefedert werden können.
Die STG unterstützt das Projekt, denn für unsere touristischen Gäste ist das wichtig, wenn sie vor dem Problem stehen, dass sie nicht wissen, wo sie ein offenes WC finden. Aber auch für Brandenburger ist die Nette Toilette ein gutes Angebot, wenn sie zum Shopping unterwegs sind.
Für den Wassertourismus gilt es aus Ihrer Sicht eine Zukunftsvision zu entwickeln. Was meinen Sie damit?
Thomas Krüger: Es geht darum, die Natur zu schützen und wir werden uns in diesem Zusammenhang der Elektromobilität nicht entziehen wollen und können. Es gibt schon erste Beispiele im Revier. Die Firma Bunbo hat in Zernsdorf die ersten vier Boote mit Elektroantieb in den Bestand aufgenommen und gutes Feedback. Die Buchung ist gut und die Mieter sind begeistert, auf dem Wasser damit zu fahren. Der Hausbootanbieter in Radewege hat das erste Hausboot mit Hybridantrieb („Premium Bolle 6“) geplant. Dann gibt es noch die Elektrotretboote am Dom.
Es ist ein zartes Pflänzchen, das sich gerade entwickelt, aber aus unserer Sicht mit großem Potenzial. Wer nachhaltig leben möchte und einen geringen ökologischen Fußabdruck möchte,wird da auch im Urlaub schauen, wie er das realisieren kann. Den Ausbau sehen wir für das ganze Revier als Visionsprojekt. Aber es sind große Aufgaben, die damit einhergehen, wie etwa die entsprechende Ladeinfrastruktur bereitzustellen.
Macht es Ihnen nach zwei Jahren Pandemie eigentlich noch Spaß, in so einer hart gebeutelten Branche zu arbeiten?
Thomas Krüger: Jetzt erst recht, weil du bei vielen das Leuchten siehst, dass es wieder normal zu werden scheint. Das ist eine gute Motivation. Wir haben viel Schmerz, viel Leid gehört. Insofern freut es uns, dass wir wieder aufatmen können. Das gilt nicht nur für die Gastgeber, sondern auch für den Einzelhandel. Spätestens wenn die Masken wegfallen, wird es wieder gut.

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