In der Zeit der Weimarer Republik leistete sich die sozialdemokratisch geführte Stadt Brandenburg gleich mehrere Prestigeobjekte. Die idyllisch gelegene Freibadeanstalt am Grillendamm war jedoch nicht nur das. Denn der Magistrat ließ die neue Badeanstalt auch deshalb bauen, da im Jahre 1921 in der Havelstadt als Kriegsfolge eine übergroße Arbeitslosigkeit herrschte. Um zumindest einer gewissen Anzahl von Männern Arbeit zu geben, entstand als sogenannte Notstandsarbeiten schließlich die am 21. Mai 1922 eingeweihte Freibadeanstalt. Im ersten Jahr wurden über 40.000 Einzelkarten verkauft. Hinzu kamen fast 1000 Dauerkarten.
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Der Entwurf für die Freibadestelle nebst der sich anschließenden Sportplätze stammte vom Stadtbaurat Moritz Wolf. Es entstand ein in Fachwerk ausgeführtes Hauptgebäude mit Eingangshalle, Kasse, Erfrischungsraum sowie Räumlichkeiten für das Anstaltspersonal. Flügelartig schlossen sich an beiden Seiten auf Pfählen die jeweils 44 Umkleidekabinen, natürlich nach Männern und Frauen getrennt, an. Flankiert wurden die Garderobentrakte von jeweils einem Turm.
Bei der Einweihung der Seebadeanstalt konnte man auch vom Drei-, Sechs- und gar von einem Neunmeterbrett ins Wasser springen. Vorrangig verarbeitetes Material war Holz. Ein alleeartiger Weg führte direkt auf das Hauptgebäude zu. Erst zwei Jahre später bezog der von Carl Lühnsdorf geschaffene Anglerbrunnen seinen Platz unweit des Einganges. Genutzt wurde die Badeanstalt auch von den hiesigen Schwimmvereinen, der Schutzpolizeischule sowie den Schulen einschließlich der nahen Ritterakademie.
Bis in die 1960er Jahren hielten die Brandenburger ihrem Freibad die Treue. Die gastronomische Versorgung hatte da längst ein HO-Kiosk übernommen. Doch mit der Einweihung des Volksbades geriet der Grillendamm ins Abseits. Nach einem Brand erfolgte schließlich 1974 der Abriss des längst maroden Ensembles.