Neben den um 1900 entstandenen Mietshäusern in der Bergstraße wirkt die kleine spätklassizistische Villa – neben den ehemaligen Bismarckterrassen - etwas verloren. Alles deutet darauf hin, dass die Villa zuerst da war und die anderen Häuser erst später entstanden. Aufgrund eines Zeitungsfundes unter der Tapete, die das Datum 12. Februar 1874, und die Jahreszahl 1875 an einem Träger trägt, wird angenommen, dass die Villa in der Bergstraße 19 im Jahre 1875 erbaut wurde.
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Am Pfeiler des Zaunes weist eine Tafel darauf hin, dass dies die Villa Eger ist. Es wird behauptet, dass der Kaufmann und Stadtrat Hermann Eger der Bauherr war. Das darf bezweifelt werden. Zum einen wurde Eger erst 1884 Stadtrat und zum anderen ist er im Adressbuch von 1877 in der Mühlentorstraße 1 und im Jahre 1880 am Altstadt Markt 4 wohnhaft.
Obwohl nicht genau bekannt ist, wann er geboren wurde, dürfte er 1875 um die 25 Jahre alt gewesen sein. Eger blieb übrigens bis 1918 unbesoldeter Stadtrat, war dann 1918/19 Bürgermeister und wurde 1921 zum Ehrenbürger ernannt. In das Reich der Legende gehört auch die Aussage, dass 1894 hier die Witwe von Wolrad Kreusler gewohnt haben soll. Schließlich starb der Ehrenbürger erst 1901.
Ihr heutiges Aussehen erhielt die von Anfang an mit Säulen versehene Villa um 1900, als der Ziegeleibesitzer Fritz Hübner die von der Straße etwas zurückgesetzte Villa umgestaltete. Ein Treppenhaus wurde angebaut und der zentrale Saal erweitert. Das Haus erhielt zudem einige Jugendstilelemente. Bis 1932 ist nachgewiesen, dass die Witwe von Fritz Hübner in der Villa gewohnt hat.
In den DDR-Jahren diente die unterkellerte Villa mit einer Wohnfläche von 400 Quadratmetern als Lehrlingswohnheim für Jungen. In den 1960er Jahren wurden im 100 Quadratmeter großen Nebengebäude zusätzliche zwölf Plätze geschaffen. Nach der Wende wurde geprüft, ob die Villa als Frauenhaus dienen könnte. Stattdessen zog schließlich die Denkmalpflege ein. 1995/96 wurde das Haus saniert.
Im März 2015 zog das Amt aus. Mehrere Monate nutzte danach der Buga-Aufbaustab die Räumlichkeiten. Anschließend veräußerte die Stadt die Immobilie inklusive des 1282 Quadratmeter großen Grundstückes an eine Familie.