Die Dorfkirche stammt aus dem 13. Jahrhundert, hat aber über mehrere Jahrhunderte verschiedene Bauphasen erlebt. Anfang dieses Jahrhunderts wurden das Kirchenschiff und ein schiffsbreiter Westturm mit eingezogenem Chor errichtet. In einer zweiten Bauphase wurde die Kirche wohl bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts um den eingezogenen Chor erweitert. Die nächste Bauphase wird auf das Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts, datiert. In dieser Periode wurde der Turm erneuert.
In der vierten Bauphase, die der Mitte des 17. Jahrhunderts zugeordnet wird, kam es zu einer wesentlichen Überformung der romanischen Kirche. Die bauzeitlichen Rundbogenfenster wurden vergrößert und der Chor verlängert. Für die Anfügung der halbrunden Apsis, das ist ein halbkreisförmiger oder polygonaler Anbau an ein Gebäude, in Backstein im Jahr 1897 liegen archivalische Belege vor. In diesem Zusammenhang wurden die bereits im Barock vergrößerten Fenster noch einmal vergrößert und der Turmaufsatz in Fachwerkkonstruktion ebenfalls mit Backsteinmauerwerk verkleidet. Der Innenraum erhielt die farbliche Fassung, deren Reste heute noch mehr oder weniger erkennbar sind.
Im Jahr 1978 kam es dann zum Abbruch der Dachkonstruktion über dem Kirchenschiff und dem Chor. Das Dach auf der Apsis blieb erhalten. Damals ging mit diesem Abriss auch die gesamte Innenausstattung, Altar, Orgel, Emporen und das Gestühl, für immer verloren. Allein der aus der Kirche Rogäsen stammenden spätgotischen Madonna, die heute in der Burgkapelle der Bischofsresidenz in Ziesar steht, blieb dieses Schicksal erspart.
Die Mitglieder des Gemeindekirchenrates und die Rogäsener Einwohner wollten die langsam vor sich hin schlafende und immer weiter verfallende Kirche wieder zu neuem Leben erwecken. Dafür wurde 2001 ein Konzept zur Sicherung der vorhandenen Bausubstanz und zur Wiederherstellung des Kirchenraumes erarbeitet. Der Förderkreis „Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.“ bot dafür seine Unterstützung an. Bereits 2001 fanden im Kirchenschiff auch erste Veranstaltungen statt, aber die noch unter freiem Himmel. Es folgten Aufführungen des „Theater in der Kirche e.V.“, die die Zuschauer begeistertem.
Die Belebung der Kirche wirkte wie eine Initialzündung. Man war sich darüber einig, eine Sanierung der Kirche anzupacken, wusste aber auch, dass dies nur in Bauabschnitten und mit finanzieller Unterstützung möglich sei. Mit der Unterstützung des Kirchenkreises, der Landeskirche, der Unteren Denkmalschutzbehörde, des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseums sowie des Förderkreises „Alte Kirchen Berlin-Brandenburg“ war es möglich, im Rahmen des kurze Zeit später ersatzlos gestrichenen Denkmalprogramms des Bundes „Dach und Fach“ den 1. Bauabschnitt, die Sicherung und Instandsetzung des Kirchturm 2003/2004, auszuführen.
Dem sollte der 2. Bauabschnitt folgen, das neue Dach auf dem Kirchenschiff und dem Chor. Hierfür gab es 2014 Mittel aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm IV des Bundes. Damit und mit der Unterstützung aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm der Unteren Denkmalschutzbehörde, des Kirchenkreises, der Landeskirche, des Förderkreises „Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V.“, der Mittelbrandenburgischen Sparkasse sowie mit Eigenmitteln der Kirchengemeinde und den privaten Spenden gelang es, dass die Kirche nach 38 Jahren wieder ein Dach erhielt.
Das Dach besteht aus einer die bauzeitliche Form des Satteldachs aufnehmenden modernen Dachkonstruktion ohne die Geschichte des Hauses zu verleugnen. Die Fensteröffnungen wurden mit schlichten Holzfenstern geschlossen und der Boden mit einer Ziegelflachschicht belegt. An den Wandinnenflächen sind zum Teil noch bauzeitliche Putz und Farbreste vorhanden, die gefestigt wurden. Für diese Leistung erhielt die Kirchengemeinde 2017 den Denkmalpreis des Landes.
In einem 3. Bauabschnitt konnte 2022 auf der Südseite der Kirche der ruinöse bauzeitliche Zugang, die Mauerwerkstreppe zur Empore, mit finanzieller Unterstützung der Unteren Denkmalschutzbehörde, wieder errichtet werden. Jetzt fehlte nur noch die 3. Glocke des Geläuts. Sie wurde im 4. Bauabschnitt gegossen und angebracht. Zuvor wurden die noch vorhandenen Glocken einschließlich Glockenstuhl instandgesetzt. Die Glockenaufhängungen wurden repariert, ein Joch komplett erneuert und beide Glocken mit neuen Klöppeln ausgestattet.
Zu einer unerwarteten Unterstützung kam es bereits 2003. Die Kirchengemeinde St. Katharinen in Brandenburg an der Havel sah sich veranlasst, im Zuge der Umnutzung des Pauliklosters zum Archäologischen Landesmuseum das Gestühl in der Kirche auszubauen. Nachdem man erfahren hatte, dass die Kirchengemeinde in Rogäsen die Instandsetzung ihrer Kirche in Angriff nehmen wolle, schenkte man es der Gemeinde. Das Gestühl konnte mit freundlicher Unterstützung des Eigentümers des Herrenhauses in einem Wirtschaftsgebäude in unmittelbarer Nähe der Kirche zwischengelagert werden.
Ein Glücksfall ist auch das Zusammenspiel mit den Eigentümern des Herrenhauses. In das Herrenhaus ist kulturelles Leben eingezogen und es entstehen wertvolle Synergieeffekte. In der Kirche finden Gottesdienste, Konzerte, kirchliche Trauungen und wegen der hervorragenden Akustik auch Chorgesänge statt.
Die Baumaßnahmen wurden, soweit möglich, von der Kirchengemeinde stets tatkräftig unterstützt. Das städtebauliche Ensemble, hier treffen sich Mittelalter und Barock, bestehend aus Kirche (13. Jahrhundert), Herrenhaus (1765) und Landschaftspark, erlebt gleichsam eine Renaissance mit neuen Inhalten und neuer Qualität.
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