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Leserbrief: Ein Appell an unsere Zivilcourage

Leserbriefe
  • Erstellt: 02.12.2025 / 11:15 Uhr von Anja Titze
Vor Kurzem hat ein Mitglied meiner Familie einen sexuellen Übergriff erlebt. Die Handlung selbst war furchtbar genug, doch etwas anderes hat sich fast ebenso schmerzhaft eingebrannt: Niemand im Raum hat eingegriffen. Menschen standen daneben, sahen weg, taten nichts. Die Schockstarre meiner Angehörigen wurde durch das Wegsehen der Umstehenden noch verstärkt.
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Es braucht in solchen Momenten nicht viel, um einen Unterschied zu machen. Ein bewusstes Hinsehen, ein klares Wort, ein Schritt nach vorn – all das kann reichen, um jemanden aus einer bedrohlichen Situation zu holen. Jeder Mensch hat das Recht auf einen sicheren Raum. Dieses Recht endet nicht an der Grenze unserer eigenen Bequemlichkeit oder Unsicherheit.

Zivilcourage bedeutet nicht, sich blind in Gefahr zu bringen. Sie bedeutet, aufmerksam zu sein, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Möglichkeiten zu nutzen: andere ansprechen, Verbündete suchen, laut werden, Hilfe rufen. Es gibt viele Wege, ohne sich selbst zu gefährden – aber der gefährlichste Weg ist immer das Schweigen.

Ich möchte daher an unsere gemeinsame Menschlichkeit appellieren: Bitte schaut nicht weg. Lasst uns füreinander einstehen, besonders dann, wenn jemand verletzlich ist. Wir dürfen nicht zulassen, dass Übergriffe im Schutz einer schweigenden Menge stattfinden. Unsere Gesellschaft wird dort stärker, wo niemand allein gelassen wird.

Wir alle tragen Verantwortung. Und wir alle können dazu beitragen, dass solche Momente nicht von Angst und Gleichgültigkeit geprägt sind, sondern von Empathie, Mut und Haltung.


Bitte beachten: Meldungen in der Rubrik "Leserbriefe" geben nicht die Meinung der Redaktion wieder, sie sind ein persönlicher Text des jeweiligen Verfassers. Einsendungen sind unter [info@meetingpoint-brandenburg.de] möglich.
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